"Gruß aus Wesel. Verwundeter Marokkaner in der Gefangenschaft". Ansichtskarte (Verlag Peter Gräfe, Wesel. Von der Kgl. Kommandantur genehmigt.), gelaufen als Feldpost von Alpen (heute Kreis Wesel) im April 1915. Sammlung Markus Kreis. Marokkanische Soldaten gingen bereits im Herbst 1914 in deutsche Gefangenschaft. Die Ansichtskarte ist - wie die Mehrzahl der Ansichtskarten mit muslimischen Nordafrikanern - neutral gehalten und verzichtet auf rassistische Verzerrungen.

"Gruß aus Wesel. Verwundeter Marokkaner in der Gefangenschaft". Ansichtskarte (Verlag Peter Gräfe, Wesel. Von der Kgl. Kommandantur genehmigt.), gelaufen als Feldpost von Alpen (heute Kreis Wesel) im April 1915. Sammlung Markus Kreis. Marokkanische Soldaten gingen bereits im Herbst 1914 in deutsche Gefangenschaft. Die Ansichtskarte ist - wie die Mehrzahl der Ansichtskarten mit muslimischen Nordafrikanern - aus politischen Gründen neutral gehalten und verzichtet auf rassistische Verzerrungen.

Das Kriegsgefangenenlager Wesel-Friedrichsfeld war 1914 eines der ersten Gefangenenlager und blieb über den gesamten Kriegsverlauf eines der Hauptlager für Gefangene von der Westfront. Am 10. Oktober 1918 waren in Friedrichsfeld über 77.000 Gefangene interniert; weitere Gefangene befanden sich in den zahlreichen Arbeitslagern, darunter im Bergbau und der Schwerindustrie des Ruhrgebiets. In Wesel waren zeitweise sowohl afrikanische als auch indische und vietnamesische Soldaten interniert, u.a. wurden aus Wesel über 100 indische Kriegsgefangene als Arbeiter in ein Duisburger Eisenwerk gesendet.

Anfang August 1915 besuchte ein namentlich nicht genannter Redakteur der sozialdemokratischen Dortmunder Arbeiter-Zeitung (vermutlich der Chefredakteur Fritz Henßler, nach 1945 SPD-Oberbürgermeister der Stadt Dortmund) das Kriegsgefangenenlager in Friedrichsfeld. Über seine Motivation berichtet er: “So viel hatte ich gelesen und gehört über die im Auslande von der schlechten Behandlung der Kriegsgefangenen in Deutschland verbreiteten Schauergeschichten, daß ich schon deshalb einer Einladung des Generalkommandos an die Vertreter der Presse dem Gefangenenlager in Friedrichsfeld bei Wesel einen Besuch abzustatten gern entsprach.” Sein Fazit lautete, nicht unerwartbar in Zeiten der Zensur, aber doch mit sozialdemokratischen Einsprengseln angesichts der sich verschlechternden Ernährungslage in Deutschland: “Die Verköstung der Gefangenen, davon habe ich mich selbst überzeugt, ist so gut und reichlich, daß manche unserer Arbeiterfamilien heilfroh wären, wenn sie sich auch eine solche Ernährung leisten könnten.” Tatsächlich verbesserten sich bis Sommer 1915 sowohl in Deutschland als auch in Frankreich die anfänglich katastrophalen Bedingungen, die zu hohen Todesraten unter den Gefangenen führten. Ab 1917 verschlechtert sich die Lage der Kriegsgefangenen erneut dramatisch.

Die sozialdemokratische Zeitung: “Was in Friedrichsfeld im Anschluß an die bereits von den und für die Kriegsgefangenen 1870/71 errichteten Baracken in verhältnismäßig kurzer Zeit gebaut und kultiviert worden ist, um für eine Riesenmasse an Menschen erträgliche Unterkunft, sorgsame Verpflegung im Krankheitsfalle, auch Gelegenheit zur Belehrung und Unterhaltung zu schaffen, das ist in der Tat eine hervorragende organisatorische und administrative Leistung.” Fritz Henßler führte wenige Tage zuvor zu den organisatorischen Leistungen aus, dass die in staatlichen Eigenberieb organisierten Kriegsgefangenenlager für Sozialdemokraten von ganz besonderes Interesse seien. “Es wird enorm ökonomisch gewirtschaftet, d.h. aus einem möglichst kleinen Quantum von Kraft werden möglichst große Werte hervorgerufen. Jeder Luxus ist ausgeschaltet, ohne daß darunter Gesundheit und Wohlbefinden irgendwie zu leiden haben.” Gut geführte staatliche Kriegsgefangenenlager waren für (Mehrheits-) Sozialdemokraten kriegssozialistische Musterbetriebe, die die klaren Vorteile gegenüber “kapitalistische Unternehmerbetriebe” (= privat geführte Kriegsgefangenenlager) aufzeigten. “Staat” vor “privat”, so die sozialdemokratische Lehre für die Zeit nach dem Krieg.

Kritische Anmerkungen gab es lediglich zum Sonderlager Neuenkirchen am Niederrhein. In dem “Moorgebiet” lebten nach Angaben der sozialdemokratischen Arbeiter-Zeitung “seit einiger Zeit untergebrachte französische  Kriegsgefangene der “besseren Ständen” (der Bourgeoisie angehörend) unter schlechteren Bedingungen, weil dadurch die französische Regierung veranlaßt werden soll, die nach Afrika (z. B. Dahomey) verschleppten deutschen Kriegsgefangenen menschlich zu behandeln.” Erst nach einer Informationsveranstaltung mit einem Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes über die Lage der deutschen Kriegsgefangenen in Afrika (“deutsche Gefangene werden in Afrika nicht schlechter behandelt als in Frankreich”) relativiert die Dortmunder Arbeiter-Zeitung ihr Mitwirken an der Schwarzen-Schmach-Kampagne.

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