Die koloniale “Begegnung” an der Westfront

"Angriff der Senegalneger auf einen deutschen Schützengraben am 27. Oktober. Völkerkrieg 1914-15". „Militäramtlich genehmigte“ Ansichtskarte, sign. Jos. Eck, gelaufen als Feldpost im Dezember 1915 (Stempelaufdruck Badisches Pionier Bataillon). Sammlung Markus Kreis. Die Ansichtskarte zeigt die durch den Einsatz von Maschinengewehren militärische Überlegenheit der deutschen Armee gegen anstürmende afrikanische Soldaten an der Westfront im Oktober 1914. Afrikanische Soldaten wurden als "Kanonenfutter" eingesetzt und erlitten sehr hohe Verluste. Das MG war bereits 1898 im Sudan sowie im südafrikanischen, russisch-japanischen und deutsch-namibischen Krieg eingesetzt worden. "Seit August 1914 übertrug das MG die Erfahrung asymetrischer Tötungsgewalt von den kolonialen Kriegsschauplätzen nach Europa" (Jörn Leonhard).

"Angriff der Senegaln.... auf einen deutschen Schützengraben". Ansichtskarte, gelaufen als Feldpost. Sammlung Markus Kreis. Die Ansichtskarte zeigt die militärische Überlegenheit der deutschen Armee. Afrikanische Soldaten wurden als "Kanonenfutter" eingesetzt und erlitten sehr hohe Verluste. Das Maschinengewehr war bereits 1898 im Sudan sowie im südafrikanischen, russisch-japanischen und deutsch-namibischen Krieg eingesetzt worden. "Seit August 1914 übertrug das MG die Erfahrung asymetrischer Tötungsgewalt von den kolonialen Kriegsschauplätzen nach Europa" (Jörn Leonhard).

Mehr als eine Million kolonialer Soldaten und Kriegsarbeiter aus Afrika, Asien und der Karibik wurden an der Westfront eingesetzt. Die kolonialen Kontingente nahmen an allen wichtigen Schlachten an der Westfront teil, so an der Marne, an der Somme und bei Verdun. Praktisch von den ersten Kriegstagen an wurde der Krieg an der Westfront von deutscher Seite propagandistisch auch als “Rassenkrieg” inszeniert. Auch die  französische und britische Propaganda nutzte rassistische Darstellungen als besondere Schmähform des Kriegsgegners.

Die französischen Kolonialkontingente an der Westfront umfassten über 480.000 Soldaten, darunter ca. 270.000 Nordafrikaner und 130.000 Westafrikaner, aber auch 34.400 Madegassen. Die über 220.000 französischen Kriegsarbeiter kamen vor allem aus Algerien, Vietnam und China. Die Grenzen zwischen den Kriegsarbeitern und den Kolonialtruppen waren manchmal fließend.

Die Kolonialkontingente des britischen Empire an der Westfront bestanden vor allem über 130.000 Indern, nichtweissen Südafrikanern (21.000 Mitglieder der South African Native Labour Contingent) und 3.500 kanadischen Indianern. Die britischen Kriegsarbeiter in Europa (insgesamt über 215.000) kamen vor allem aus China (92.000), Ägypten (82.000) und Südafrika (31.200). Großbritannien setzte Soldaten aus seinen afrikanischen Kolonien zwar nicht an der Westfront ein, wohl aber im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika.

In den beiden letzten Kriegsjahren kamen rund 200.000 Afro-Amerikaner und eine unbekannte Zahl von Indianern im US-amerikanischen Expeditionskorps hinzu.

Die nachfolgenden Unterseiten und Ansichtskarten zeigen Kolonialsoldaten der britischen und französischen Armee als verführte, unterdrückte und zwangsrekrutierte Männer, die von der Kolonialmacht als Kanonenfutter in einen Krieg fern der Heimat geschickt wurden. In der deutschen Propaganda wurden sie manchmal – aber keinesfalls immer – in rassistischer Weise als primitive Monster dargestellt, die aus der Perspektive deutscher Soldaten keine würdigen Gegner im Krieg sein konnten.

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Quellen:

Jörn Leonhard: Die Büchse der Pandora. Geschichte des Ersten Weltkriegs. München 2014

Christian Koller: “Von Wilden aller Rassen niedergemetzelt”. Die Diskussion um die Verwendung von Kolonialtruppen in Europa zwischen Rassismus, Kolonial- und Militärpolitik (1914-1930). Stuttgart 2001

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