Blackfacing in Krieg und Gefangenschaft

"Soldatenbelustigungen hinter der Front". Ansichtskarte, gelaufen als Feldpost im Februar 1916. Sammlung Markus Kreis. "Blackfacing" an der Westfront im Ersten Weltkrieg: Schwarz geschminkter deutscher Soldat, verkleidet als afrikanischer Soldat, sitzend auf einer Kamelattrappe. Belustigung mit rassistischem Hintergrund, übernommen aus den Varietés vor Kriegsbeginn? Eine Form der psychischen Konfliktverarbeitung konkreter (kolonialer) Kriegserfahrungen?

"Soldatenbelustigungen hinter der Front". Ansichtskarte, gelaufen als Feldpost im Februar 1916. Sammlung Markus Kreis. "Blackfacing" an der Westfront im Ersten Weltkrieg: Schwarz geschminkter deutscher Soldat, verkleidet als afrikanischer Soldat, sitzend auf einer Kamelattrappe. Belustigung mit rassistischem Hintergrund, übernommen aus den Varietés vor Kriegsbeginn? Eine Form der psychischen Konfliktverarbeitung konkreter (kolonialer) Kriegserfahrungen?

 

Deutsches Soldatenleben (vermutlich 1916). Ansichtskarte, beschriftet (an die Angehörigen) ohne Datum. Sammlung Markus Kreis. Handschriftliche Mitteilung auf der Rückseite: "Negerhochzeit v. Verdun dargestellt in der Silvester-Nacht von den Telefonisten unsers Btl.. Die Dame ist ein Landser, ebenso der Neger, sogar von meiner Komp., hat sich mit Lederfett geschwärzt. Die ganze Bande hatte etwas zu reichlich Bier u. Grog getrunken u. zog, trotzdem es da bitterkalt war, in dieser Aufmachung in der Nacht auf der Straße herum."  Da auch westafrikanische Soldaten in Verdun kämpften, ist es durchaus möglich, dass hier die schwaruz-weisse Begegnung "verarbeitet" wird.

Deutsches Soldatenleben (vermutlich 1916). Ansichtskarte, beschriftet (an die Angehörigen) ohne Datum. Sammlung Markus Kreis. Handschriftliche Mitteilung auf der Rückseite: "Negerhochzeit v. Verdun dargestellt in der Silvester-Nacht von den Telefonisten unsers Btl.. Die Dame ist ein Landser, ebenso der Neger, sogar von meiner Komp., hat sich mit Lederfett geschwärzt. Die ganze Bande hatte etwas zu reichlich Bier u. Grog getrunken u. zog, trotzdem es da bitterkalt war, in dieser Aufmachung in der Nacht auf der Straße herum." Da auch westafrikanische Soldaten in Verdun kämpften, ist es durchaus möglich, dass hier die schwarz-weisse Begegnung "verarbeitet" wird.

 

"Englische Theatergesellschaft". Bildtext: "Sprottau Follies. Easter 1917, Robinson Crusoe". Rückseite: Kunstanstalt S. Engelhardt, Berlin. Ansichtskarte, ungelaufen. Sammlung Detlev Brum.  Die Ansichtskarte zeigt eine Theatergruppe, stehend aus britischen Kriegsgefangenen zu Ostern 1917 im Kriegsgefangenenlager Sprottau, darunter ein oder mehrere Gefangene mit Blackface-Schminke. Das Robinson-Crusoe-Thema war ein europäisches Faszinosum.

"Englische Theatergesellschaft". Bildtext: "Sprottau Follies. Easter 1917, Robinson Crusoe". Rückseite: Kunstanstalt S. Engelhardt, Berlin. Ansichtskarte, ungelaufen. Sammlung Detlev Brum. Die Ansichtskarte zeigt eine Theatergruppe, bestehend aus britischen Kriegsgefangenen zu Ostern 1917 im Kriegsgefangenenlager Sprottau, darunter ein Gefangener mit Blackface-Schminke. Das koloniale Robinson-Crusoe-Thema war ein gesamteuropäisches Faszinosum.

 

"Wigwam der Marmeladen-Indianer. Freilichttheater an der Front gelegentlich eines Bataillonsfestes in der Champagne. Scenenbild aus dem Schauspiel: Wir Wilden sind doch bessere Menschen." Ansichtskarte, gelaufen als Feldpost im Oktober 1916 (Pionier-Rekruten-Depot der 5. Armee (Ost)). Sammlung Markus Kreis.  "Wir Wilden sind doch bessere Menschen" avancierte im Ersten Weltkrieg zu einem geflügelten Spruch, vielleicht vor dem Hintergrund der kolonialen Begegnung an der Front. Ursprünglich stammt der Spruch wohl aus einem Gedicht von Johann Gottfried Seume, entstanden nach einer Begegnung mit Irokesen in den 1780er Jahren. Er wurde bereits vor 1914 unterschiedlich genutzt, u.a. von Erich Mühsam in der anarchistischen Zeitschrift "Kain".

"Wigwam der Marmeladen-Indianer. Freilichttheater an der Front gelegentlich eines Bataillonsfestes in der Champagne. Scenenbild aus dem Schauspiel: Wir Wilden sind doch bessere Menschen." Ansichtskarte, gelaufen als Feldpost im Oktober 1916 (Pionier-Rekruten-Depot der 5. Armee (Ost)). Sammlung Markus Kreis. "Wir Wilden sind doch bessere Menschen" avancierte im Ersten Weltkrieg zu einem geflügelten Spruch, vielleicht vor dem Hintergrund der kolonialen Begegnung an der Front. Ursprünglich stammt der Spruch aus einem Gedicht von Johann Gottfried Seume, entstanden nach einer Begegnung mit Irokesen in den 1780er Jahren. Er wurde bereits vor 1914 in unterschiedlichen Kontexten genutzt, u.a. von Erich Mühsam in der anarchistischen Zeitschrift "Kain".

 

"Tooneelspelersgroep – Kamp de Göttingen" (Schauspielergruppe - Kriegsgefangenenlager Göttingen). Carte Postale, ungelaufen. La Caisette du Soldat Belge (Belgische Hilfsorganisation für Kriegsgefangene). Rückseite mit Stempelabdruck "Association Philanthropique (unleserlich) Commune D’Etterbeek". Sammlung Detlev Brum.

"Tooneelspelersgroep – Kamp de Göttingen" (Schauspielergruppe - Kriegsgefangenenlager Göttingen). Carte Postale, ungelaufen. La Caisette du Soldat Belge (Belgische Hilfsorganisation für Kriegsgefangene). Rückseite mit Stempelabdruck "Association Philanthropique (unleserlich) Commune D’Etterbeek". Sammlung Detlev Brum

 

"Münster II "Revue". Le beau rêve" (der schöne Traum). Ansichtskarte, ungelaufen. Sammlung Detlev Brum.  Aus vielen Kriegsgefangenenlagern sind Fotos mit Theateraufführungen einer Laien-Schauspielertruppe bekannt. Teil der Inszenierung ist ein nordafrikanischer Soldat.

"Münster II "Revue". Le beau rêve" (der schöne Traum). Ansichtskarte, ungelaufen. Sammlung Detlev Brum. Aus vielen Kriegsgefangenenlagern sind Fotos mit Theateraufführungen einer Laien-Schauspielertruppe bekannt. Teil der Inszenierung ist ein nordafrikanischer Soldat.

 

"Carnaval 1916 à Puchheim", handschriftlicher Eintrag auf der Rückseite. Ansichtskarte aus dem Kriegsgefangenenlager Puchheim (bei München), in französischer Sprache beschriftet, adressiert nach Paris, ohne Datum. Sammlung Detlev Brum.  Das Kriegsgefangenenlager Puchheim wurde zunächst am Flughafen in den Gebäuden der Otto-Werke (Gustav Otto Flugmaschinenfabrik) eingerichtet. Auch hier stellt sich die Frage, inwiefern die Verkleidungen nur der Lust am Spiel zuzurechnen sind oder ob reale "Begegnungen" mit afrikanischen und asiatischen Soldaten an der Westfront "verarbeitet" wurden.

"Carnaval 1916 à Puchheim", handschriftlicher Eintrag auf der Rückseite. Ansichtskarte aus dem Kriegsgefangenenlager Puchheim (bei München), in französischer Sprache beschriftet, adressiert nach Paris, ohne Datum. Sammlung Detlev Brum. Das Kriegsgefangenenlager Puchheim wurde zunächst am Flughafen in den Gebäuden der Otto-Werke (Gustav Otto Flugmaschinenfabrik) eingerichtet. Auch hier stellt sich die Frage, inwiefern die Verkleidungen nur der Lust am Spiel zuzurechnen sind oder ob reale "Begegnungen" mit afrikanischen und asiatischen Soldaten an der Westfront "verarbeitet" wurden.

 

"Französischer Carneval im Gefangenenlager Puchheim bei München 1916". Ansichtskarte (Verlag Adolf Mamma, gen. Manhart, München; vom Kgl. Bayer. Kriegsministerium bewilligt), Rückseite beschriftet in französischer Sprache, adressiert nach Paris, ohne Datum. Sammlung Brum  Im hinteren Teil des Bildes sind ein oder mehrere "exotische Figuren" zu sehen, möglicherweise eine Blackface-Darstellung von französischen Kriegsgefangenen.

"Französischer Carneval im Gefangenenlager Puchheim bei München 1916". Ansichtskarte (Verlag Adolf Mamma, gen. Manhart, München; vom Kgl. Bayer. Kriegsministerium bewilligt), Rückseite beschriftet in französischer Sprache, adressiert nach Paris, ohne Datum. Sammlung Brum Im hinteren Teil des Bildes sind ein oder mehrere "exotische Figuren" zu sehen, möglicherweise eine Blackface-Darstellung von französischen Kriegsgefangenen.

 

"Französischer Carneval im Gefangenenlager Puchheim bei München 1916". Ansichtskarte (Verlag Adolf Mamma, gen. Mannhart, München. Vom Kgl. bayer. Kriegsministerium bewilligt). Rückseite handschriftlich in französischer Sprache „Souvenir de Captivite. Puchheim 10 Mai 16“ (Erinnerung an die Kriegsgefangenschaft). Sammlung Detlev Brum. Das Kriegsgefangenenlager Puchheim wurde zunächst am Flughafen in den Gebäuden der Otto-Werke (Gustav Otto Flugmaschinenfabrik) eingerichtet. Nicht nur die Lust am Spiel und der Verkleidung, sondern auch reale „Begegnungen“ mit afrikanischen Soldaten – hier ist ein nordafrikanischer Zuave mit abgebildet – wurden im Karneval „verarbeitet“. Diese Ansichtskarten wurden sowohl innerhalb Deutschlands versendet als auch von französischen Kriegsgefangenen als "Souvenir" verwahrt.

"Französischer Carneval im Gefangenenlager Puchheim bei München 1916". Ansichtskarte (Verlag Adolf Mamma, gen. Mannhart, München. Vom Kgl. bayer. Kriegsministerium bewilligt). Rückseite handschriftlich in französischer Sprache „Souvenir de Captivite. Puchheim 10 Mai 16“ (Erinnerung an die Kriegsgefangenschaft). Sammlung Detlev Brum. Das Kriegsgefangenenlager Puchheim wurde zunächst am Flughafen in den Gebäuden der Otto-Werke (Gustav Otto Flugmaschinenfabrik) eingerichtet. Nicht nur die Lust am Spiel und der Verkleidung, sondern auch reale „Begegnungen“ mit afrikanischen Soldaten – hier ist ein nordafrikanischer Zuave mit abgebildet – wurden im Karneval „verarbeitet“. Diese Ansichtskarten wurden sowohl innerhalb Deutschlands versendet als auch von französischen Kriegsgefangenen als "Souvenir" verwahrt.

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