Produkte aus den außereuropäischen Kolonien kamen bereits vor Beginn des deutschen Kolonialismus nach Dortmund. Baumwolle wurde z.B. bereits vor 1878 in Dortmunder Manufakturen verarbeitet. Kaffee und Zucker (Rohrzucker) waren typische Produkte, die Dortmunder Kolonialwarenhandlungen (z.B. Wiskott, gegründet 1817) anboten. Das Dortmunder Adressbuch von 1834 verzeichnet zwar noch keine „Kolonialwarenhandlungen“, dafür aber 34 Spezereien (oder Viktualienhändler), die in der Stadt und im Landkreis Dortmund die Versorgung der ca. 38.000 Einwohner mit tropischen und subtropischen Produkten sicherstellten. Viele bekannte Namen lassen sich bereits unter den Händlern finden, darunter z.B. der „Handel in Spezerei-, Porzellain- und Glaswaaren, Seifenfabrik“ von Christian Köhler, aus dem dann die Kolonialwarenhandlung Köhler und noch später das stadtbekannte „Feinkost Köhler“ hervorging, dessen Nachfolger heute exklusive „Kolonialwaren“ im Internethandel vertreiben.

Dortmund blickt nach Hereroland

Christinnen und Christen aus der evangelisch geprägten Stadt Dortmund bzw. den sie umgebenden Landgemeinden schauten bereits über den eigenen Kirchturm hinweg nach Hereroland (heute Namibia). Die Rheinische Missionsgesellschaft (Barmen, Wuppertal) begann 1835 mit der Hereromission und in der evangelischen Synode Dortmund organisierten sich bald darauf die Unterstützerkreise. In der Marienkirche fand 1846 die erste Missionsandacht für die Heidenmission in der Kreissynode Dortmund statt. In den 1860er Jahren begannen einzelne Gemeinden mit eigenen Missionsfeiern. Zum Erfolg trug wesentlich bei, dass die Missionszentrale aus Barmen (Wuppertal) verstärkt Reiseprediger für Missionsfeste zur Verfügung stellte (später werden dann zurückgekehrte Missionare diese Aufgabe übernehmen).
Der erste Dortmunder Missions-Frauen-Verein für die Heidenmission bestand bereits in den 1850er Jahren. 1861 existierten zwei Vereine, die Geld für die Heidenmission und angefertigte Kleidungsstücke für die „Heidenboten“ (also die ausgesandten Missionare) an die Missionszentrale nach Barmen versandten. Doch nicht nur in der Stadt Dortmund, sondern auch in den ländlichen oder vom Bergbau geprägten Gemeinden entstanden Missions- und Kollektenvereine. Eine bedeutende Rolle übernahmen die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die in nahezu jeder Gemeinde in die Spendenakquisition eingebunden waren.
Die evangelische Kreissynode beauftragte 1851 „eine Kommission zur Leitung und Förderung der Missionssache“. 1858 wurden eine Rendantur für die Beiträge zur Mission eingerichtet und von der Universal-Missions-Karte ungefähr 500 Exemplare an Schulkinder verkauft. Per Synodalbeschluß wurden Kollekten am Konfirmationstage für die Heidenmission gesammelt, aber auch bei Haustaufen, Hochzeiten, Trauerfeiern und anderen Anlässen. Bereits vor 1878 hat die große Mehrzahl der Konfirmanden und Konfirmandinnen in Dortmund eine erste Vorstellung von den Heiden bzw. Heiden-Christen unter den “Hottentotten” (verächtliche Bezeichnung der Khoi Khoi) und “Hereros”.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Dortmund ein verarmtes Ackerstädtchen. Kein Wunder, dass auch aus dem Dortmunder Raum die Auswanderung in „die Kolonien“ stattfand, so z.B. in das südliche Afrika oder nach Brasilien. Erst nach der Reichsgründung 1871 nahm Dortmund in Folge der Industrialisierung neuen Aufschwung. Millionen migrierten nach Nordamerika, hunderttausende kamen nach Dortmund bzw. ins Ruhrgebiet.

Ein Dortmunder Branntweinhändler in Namaland

Der Dortmunder Schreinersohn Klügge reiste in den 1870er Jahren als Branntweinhändler durch Namaland (heute Namibia) und kam bis nach Otjizeva, der Station des Rheinischen Missionars Friedrich Eich. Später wird Klügge „bekannt“ durch den Schriftsteller Uwe Timm, der ihm eine lange Passage in dem Buch „Morenga“ widmet.

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