“White Charity” heißt eine neue Website und ein Dokumentarfilm, der aktuelle entwicklungspolitische Spendenplakate aus einer rassismuskritischen, postkolonialen Perspektive analysiert. Das Ergebnis ist nicht wirklich neu: Koloniale Denkweisen werden reproduziert und Schwarze Menschen als defizitär konstruiert. Die Autorin/ der Autor: “Die Bilder erfüllen eine gesellschaftliche Funktion der Aufrechterhaltung Weißer Überlegenheit.” Eine steile These, die zu einer psychohygienisch nachvollziehbaren Abwehr führen dürfte. Es wäre aber zu wünschen, dass sich der humanitär-entwicklungspolitische Komplex der kritischen Auseinandersetzung stellt.

http://www.whitecharity.de/ (dort steht auch der 48min. Film zur Verfügung)

Die Autoren begrenzen ihre Bild- und Textkritik auf die Plakataktionen. Die politische Kampagnen- und Bildungsarbeit einiger Nicht-Regierungsorganisationen wird sogar gelobt, wenngleich kritisch angemerkt wird, dass Bildungsarbeit und Spendenakquisition auffällig auseinanderfallen. Aber dennoch: Warum die Verteilung solch progressiver „Lorbeeren“? Gerade in humanitär-entwicklungspolitischen Veranstaltungen werden Stereotype und Vorurteile unreflektiert weitergegeben und geradezu “bedient”. Sie befriedigen auch eher das Bedürfnis nach Projektionen als dass diese einer selbstkritischen Reflexion unterliegen. Bei einer ideologiekritischen Betrachtung ist der emanzipatorische Ansatz eher ein Mythos und es erscheint weiterhin notwendig, die subjektiven Funktionalitäten von Ethnozentrismus und Rassismus gerade auch in entwicklungspolitischen Veranstaltungen zu thematisieren. Denn nicht selten geht es um die Stabilisierung europäischer Dominanzvorstellungen und damit auch um den Erhalt des Selbstbildes, das die Dominanz rechtfertigt.

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Koloniale Veranstaltungen in Dortmund

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